Spätsommerliche Maultaschensuppe oder wie viel Fertigprodukt ist ok?

gemüsebrühe

Fertigprodukte sind ja so eine Sache. Eigentlich versuchen wir weitgehend darauf zu verzichten. Dennoch gibt es auch bei uns immer wieder Gnocchi oder Tortellini aus dem Kühlregal und auch Pesto im Glas landet durchaus mal in unserem Einkaufskorb. Ganz zu Schweigen von der gekörnten Gemüsebrühe im Küchenschrank. Trotzdem gilt im Hause Minzzucker: Lebensmittel sollen selbst und frisch verarbeitet werden. Kochen bedeutet für uns nicht eine Packung aufzureißen und Backofen oder Mikrowelle anzuwerfen, um Fertigprodukte aufzuwärmen. Ende letzter Woche gab es bei uns eine tomatige Gemüsebrühe, selbst gekocht – mit Ricotta-Maulstaschen. Beides „homemade“ sozusagen und dennoch waren zwei Fertigprodukte beteiligt: Fertiger Nudelteig aus dem Kühlregal und ein tolles Zwiebelconfit aus dem Bioladen. Wir hadern da manchmal schon ein bisschen mit uns, aber der Alltag lässt eben nicht mehr zu. Klar, wer einen Foodblog betreibt, hat da vielleicht auch einen kleinen Knall…

Der Grund für diese Einleitung ist aber eigentlich ein ganz anderer, als unser eigener Umgang mit Fertiggerichten: Vor wenigen Wochen haben wir uns in einem sehr schönen Wellnesshotel zwei Nächte Auszeit von unserem Hausbau gegönnt. Ein grandioses Abendmenü inbegriffen mit einem Koch, der in der Vergangenheit, in einem anderen Restaurant, mehrmals mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet wurde. Das ganze war – bedingt durch das Haus – völlig über unserem Budget und trotzdem hat es uns gut getan. Vor allem das Essen war toll. Und angesichts der Baustellen-Verpflegung, die in den letzten Wochen wirklich grenzwertig war, haben wir Wert darauf gelegt zwei Abende richtig gut und auch qualitativ hochwertig zu Essen. An einem Abend bekam ich als vegetarischen Hauptgang Trüffelgnocchi. Die waren unfassbar lecker. Ich habe jedes Stückchen genossen und jetzt wochenlang von der tollen Küche dieses Hotels geschwärmt, von diesem begnadeten Koch und eben von den wirklich besten Gnochi, die ich je gegessen habe. Bis gestern. Denn da habe ich auf einer Hochzeit in einem 5-Sterne-Hotel genau die gleichen Gnocchi serviert bekommen. Die gleiche Form, die gleiche Größe, die gleiche Füllung und der genau gleiche wunderbare Geschmack. Klar, es war toll diese herrlichen Teilchen wieder zu essen. Aber es war nun einmal das genau gleiche Produkt. Nachdem ich gestern die Menükarte gelesen hatte, war ich total gespannt, wie die Gnocchi hier umgesetzt werden. Wo die Unterschiede liegen, welche besser schmecken. Für mich gibt es keine andere Erklärung, als dass hier in beiden Hotels ein Fertigprodukt auf dem Teller gelandet ist. Und ehrlich, da fühle ich mich irgendwie verarscht. Wo bleibt die Kunst eines Kochs, wenn sie sich auf gutes Einkaufen beschränkt? Richtiges Gnocchi-Kochen ist nun wirklich nicht gerade eine Herausforderung. Wo ist der Unterschied zwischen einem hochpreisigen Gourmettempel und der kleinen, günstigen Wirtschaft nebenan, wenn beide nur qualitativ unterschiedliche Fertigprodukte einkaufen und erwärmen? Ehrlichgesagt wurden mir meine tollen Trüffelgnocchi ordentlich vermiest. Vielleicht bin ich aber einfach auch nur ein bisschen sehr blauäugig.

Deshalb – falls Ihr bis hierher durchgehalten habt – hier mein Rezept für eine herrlich gemüsige, spätsommerliche Suppe mit ganz vielen Tomaten, leckeren Maultaschen und einem kleinen bisschen Fertigprodukt.

ricottamaultaschen

Zutaten für 3 Suppenkasper:

750 g sehr reife und aromatische Tomaten

1 EL Tomatenmark

3 Stangen Sellerie

4 Frühlingszwiebeln

2 Schalotten

1 rote Paprikaschote

2 Karotten

2 Liter Wasser

4 Lorbeerblätter

Salz

Pfeffer

2 EL Olivenöl

Und so geht`s:

  1. Alle Gemüsesorten in grobe Stücke schneiden.
  2. Das Öl in einem großen Topf erhitzen und die Schalotten darin anbraten.
  3. Das restliche Gemüse und das Tomatenmark dazu geben und kurz mitbraten.
  4. Wasser und Lorbeerblätter dazu geben und mit Salz und Pfeffer würzen.
  5. Suppe ca. 1,5 Stunden köcheln lassen.
  6. Durch ein Sieb abgießen, abtropfen lassen und das Gemüse ausdrücken.
  7. Die Brühe ca. 20 Minuten bei geöffnetem Topf einkochen lassen und nochmal abschmecken.

Mit Maultaschen schmeckt es noch besser!

Ihr braucht:

200 g Nudelteig

1 Becher Ricotta

3 EL geriebener Peccorino

1 EL gemischte gehackte Kräuter (unser Balkon hatte Minze, Thymian und Basilikum in Angebot)

1 Ei

Salz

Pfeffer

Und so geht`s:

  1. Den Nudelteig aufrollen und einen Topf mit gesalzenem Wasser zum Kochen bringen.
  2. Ricotta, Pecorino, Kräuter und Ei mischen und mit Salz und Pfeffer abschmecken.
  3. Aus dem Nudelteig Rechtecke schneiden.
  4. Je einen Esslöffel Füllung auf jedes Rechteck geben und zusammenklappen.
  5. Mit einer Gabel auf beiden Seiten die Ränder zusammendrücken.
  6. Im Salzwasser ca. 10 Minuten leicht kochen lassen.
  7. In die Suppe geben.

tomatensuppe

Wir hatten noch dieses Zwiebelconfit im Kühlschrank und das hat wirklich ganz hervorragend dazu gepasst. Ein herrliches Gericht war das. Bodenständig, mit Fettaugen vom Olivenöl auf der Suppe, mit unterschiedlich großen Maultaschen und zufriedenstellend, weil beim Herbstregen wärmend.

Wer braucht da schon Trüffelgnocchi?

Wie haltet Ihr es eigentlich mit Fertiggerichten?

Und was haltet Ihr von deren Einsatz in der Gastronomie?

Selbstgemachtes Suppenvergnügen wünscht Euch,

Dani

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2 responses to “Spätsommerliche Maultaschensuppe oder wie viel Fertigprodukt ist ok?

  • marco

    Wer einen Foodblog betreibt, der hat da vielleicht auch einen kleinen Knall 🙂

    Ich bin ganz deiner Meinung, liebe Dani. Auch bei mir wandert hin und wieder mal ein Fertigprodukt in den Einkaufswagen, insbesondere fertiger Nudelteig. Mir fehlt leider bis heute die Pastamaschine dafür und je nach dem wo gekauft, schmeckt der gar nicht mal soo schlecht.

    Dies gilt grundsätzlich für viele Fertigprodukte, es kommt bloss immer darauf an, was man damit anstellt. Ein simples Convenience-Produkt kann durch die eine oder andere Finesse brutal aufgemöbelt werden. Zumindest meine Meinung.

    Ich arbeite selbst seit Jahren in der Gastronomie und kann an dieser Stelle nur sagen: die wenigsten kommen ganz ohne aus! Find ich auch okey, weil die Waren- und Personalkosten ansonsten bloss noch Dinieren auf 5-Sterne-Niveau zulassen würde. Allerdings: wenn man dann schon mal das dicke Portemonnaie rausholt und sich solch ein Abendessen gönnt, dann darf man auf solchem Niveau definitiv erwarten, dass alles hausgemacht ist. Insbesondere solch simple Geschichten wie Gnocchi! Insofern verstehe ich deine Enttäuschung!

    liebe Grüsse
    *marco

    • minzzucker

      Schön, wenn Du das nachvollziehen kannst! Für uns ist so ein nobles Essen einfach etwas ganz besonderes, das wir uns vielleicht ein Mal im Jahr leisten. Da hab ich einfach andere Ansprüche.
      Herzliche Grüße,
      Dani

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